

Hauptmerkmale des Gebäudes sind zum einen der imposante Rutschenturm, der sich wie ein Fels aus dem Grün erhebt, zum anderen die beiden Dachhälften, die sich wie zwei Flügel über das Bad legen. Dadurch wird mit den Baukörpern die Hügellandschaft der Günther-Klotz Anlage nachempfunden.
Ziel war es, eine interessante Bade- und Saunalandschaft zu entwickeln. Die Schwierigkeit bestand darin, das große, vielfältige Raumprogramm mit den Auflagen an das Gebäude (Statik, Erdbebensicherheit, Brandschutz, Lüftungstechnik etc.) unter ein Dach zu bekommen. Das Besondere ist dabei, dass ein technischer Zweckbau harmonisch so verpackt wurde, dass eine angenehme Atmosphäre im Bad spürbar wird und es einzigartig macht. Dies wird architektonisch gelöst durch verschiedene Ebenen die ineinander übergehen, vergleichbar mit der Seenlandschaft „Pamucale“ in der Türkei.
Dadurch entstehen spannende Raumabfolgen. Das Bad verändert, je nach Standort des Besuchers, sein Erscheinungsbild – es entstehen fließende Räume. Dabei spielen die Raumproportionen eine entscheidende Rolle, mal großzügig und offen, dann wieder klein und intim. Die Wege sind so angelegt, dass sie einen an all diese Orte bringen und man immer das Gefühl hat, neue Dinge zu erleben und zu sehen. Blickbeziehungen in andere Bereiche und nach außen machen das Bad groß und interessant. Man wird bei jedem Besuch etwas Neues entdecken.
Der Leitgedanke des Architekturbüros Geier+Geier beim Entwurf für das Europabad Karlsruhe war, dass sich das Bad mit seinen Außenanlagen harmonisch in die Günther-Klotz Anlage einfügt. Den Architekten ist es ideal gelungen, die 68.000 m³ des Bades optimal in den Freiraum zwischen Europahalle und Alb zu integrieren.
Das Europabad beeindruckt nicht nur durch besondere Erlebnis-Dimensionen, sondern auch durch die Zahlen, die bei seinem Bau zustande kamen: Die Firma Ed. Züblin AG bewegte auf dem ca. 20.000 m² großen Areal des Europabades 50.000 m³ Erde und verarbeitet rund 15.000 m³ Beton sowie 1.500 t Stahl.
Der Bau ging auch in die Tiefe: Drei Meter unterhalb des Grundwasserspiegels wurde der Technikkeller als wasserdichte weiße Wanne ausgeführt. Hier befindet sich die komplette Technik, die das Wasser für das Erlebnisbad durch die rund 6,5 km Rohrleitungen pumpt. Diese Leitungen, die während der Bauphase in die Bodenplatten und Beckenwände einbetoniert wurden, versorgen jetzt die zahlreichen Wassererlebnisse mit Wasser und Luft.
Besonders hohe Ansprüche an die Schalungstechnik stellten die filigranen Rundungen der Beckenwände sowie die geometrisch aufwändige Konstruktion des Rutschenturms dar, ebenso die Wände der Sanitär- und Umkleidebereiche, die in Sichtbetonqualität ausgeführt wurden. Jeder fünfte Quadratmeter Wandfläche ist gerundet ausgeführt.
Übrigens stammt auch eines der aufregendsten Wasser-Erlebnisse des Europabads von der Ed. Züblin AG: der Wildwasserkanal wild water, der sowohl innen als auch außen verläuft. Mit einer Länge von 100 Metern und zahlreichen Stromschnellen sorgt dieser für besonderen Wasserspaß.
Die avantgardistische Architektur des neuen Europabades in Karlsruhe beherbergt in ihrer Unterwelt eine Vielzahl von technischen Anlagen und Baukomponenten, die das Badevergnügen von „mild bis wild“ überhaupt erst ermöglichen. So kommen alleine 200 Pumpen und Gebläse zur Förderung von Luft und Wasser zum Einsatz. Gut 36 km Rohrleitung wurden für die Heizungs-, Sanitär- und Badetechnik von den Fachfirmen installiert. Eine beeindruckende Leistung.
Neben den sichtbaren architektonischen Glanzpunkten beeindruckt das Europabad durch eine Vielzahl technischer Finessen, die zu einem ökologischen und ökonomischen Anlagenbetrieb beitragen. Diese beginnen schon bei der Erzeugung der notwendigen Heizwärme für das Bad. Von den Stadtwerken Karlsruhe erhält das Europabad Fernwärme, die in einem sogenannten Kraft-Wärme-Kopplungsprozess erzeugt wurde. Bei diesem Vorgang wird die bei der Stromerzeugung anfallende Wärme nicht in die Umwelt entsorgt, sondern voll genutzt.
Die Beheizung des Europabades erfolgt auf mehreren Wegen. Großflächige Außenwände aus Beton werden in ihrem Kern mit Warmwasser oder Luft auf eine angenehme Oberflächentemperatur gebracht. Dadurch wird das Komfortempfinden des Badegastes nicht durch kühle Raumflächen beeinträchtigt. Nur relativ niedrige Heizmitteltemperaturen (ca. 35 °C bis 45 °C) sind für die sogenannte Betonkernaktivierung notwendig. In Anlehnung an das schon in der Antike praktizierte System der Hypokaustenheizung wird aufbereitete und erwärmte Luft durch Hohlräume in Böden und Wänden geführt und anschließend über Röhren und gelochte Fassaden den Räumen zugeführt. Dabei wird die natürliche Auftriebswirkung der erwärmten Luft genutzt. Dadurch arbeitet die Lüftungsanlage für die Badehalle energiesparend. Einmal erwärmte Luft wird nur nach einem entsprechenden Wärmerückgewinnungs- und Abkühlprozess wieder ins Freie entlassen.
Das Badewasser wird vor dem Abführen in die Kanalisation noch einmal gesammelt und zur Spülung von WCs und Urinalen genutzt, wodurch Trinkwasserressourcen geschont werden. Eine energietechnisch pfiffige Idee, die außerdem die Badegäste erfreut, ist die Erlebnis-Attraktion Gewitterregen: Mit an der Badehalle angebrachten Wasserdüsen wird die Raumluftfeuchte energietechnisch zurück gewonnen.
Zwei elektronische Leitzentralensysteme tragen dafür Sorge, dass die technischen Anlagen des neuen Europabades optimal und energieeffizient geregelt und gesteuert werden.
Bei allen diesen Finessen wundert es nicht, dass alleine die Planung der Technischen Ausrüstung mit einem Zeitaufwand von über 15.000 Arbeitsstunden verbunden war. Dieser Aufwand hat sich gelohnt. Die Technik, die für den Badegast eigentlich kaum in Erscheinung tritt und im Verborgenen wirkt, ist der herausragenden Architektur des neuen Europabades angepasst und angemessen.
Wasser im Bad – das ist eine pure Selbstverständlichkeit. Doch woher kommt das Wasser? Und wohin geht es? Als ortsansässiges leistungsstarkes Unternehmen hat GAWA die sanitär-technischen Herausforderungen des Europabades gemeistert.
So versorgen ganze 2 km Edelstahl-Leitungen die 42 Duschen und 24 Abkühlduschen des Europabades. Dazu kommen noch gut 1 km Abwasserrohrleitungen.
Damit auch garantiert überall Wasser ankommt, wo es benötigt wird, stehen ständig 8.000 Liter warmes Wasser zur Verfügung und sorgen so für wohliges Duschvergnügen.